" Was kann ich dafür das es regnet?"...

Alles unter der Erde was Niemand sieht, schon ewig da ist interessiert auch Keinen, solange es funktioniert... Das leidige Problem der gesplitteten Abwassergebühren.

Zu meiner Person: Ich war 16 Jahre für den Güteschutz Kanalbau e.V. In ganz Deutschland unterwegs um bei den öffentlichen Auftraggebern und Abwasserverbänden für eine fachgerechte und kostengünstige Bauweise im Bereich Schmutz- und Regenwasser zu werben, da dies ein erheblicher Teil des kommunalen Vermögenshaushaltes darstellt. Im Gegensatz zu Prachttreppen, Oasen in der Wüste, ist aber mit Kanälen keine Politik zu machen. Sie kosten nur viel in der Erstellung und im Unterhalt, sieht aber Keiner.

Zunächst ein kleiner historischer Rückblick:
Die großen deutschen Städte die bereits von Römern besiedelt und aufgebaut wurden hatten eine Kanalisation, denn alles nur aus dem Fenster schütten, war damals schon keine Lösung. Mit dem Zuzug zu den Großstädten wurden diese Systeme bald zu klein und mussten erweitert werden. Die Stadt Frankfurt am Main begann damit so um 1890 und baute auch eine der ersten Großkläranlagen. Daraus ergab sich auch die Erkenntnis, dass eine Kläranlage deren Schmutzwasser vom Regen verdünnt wird, biologisch (gute Klärergebnisse) schwer zu beherrschen ist. Seit dem wird in der Regel bei Straßenbauten im Bereich Mischsystem das Altohr für Regenwasser umgenutzt und eine neue, meist größere Schmutzwasserleitung daneben gebaut. Relativ früh wurde erkannt, dass aber eine reine Schmutzwasserleitung sich auch zusetzen kann und so wurden im Bereich der Regenwasserleitung Überlaufwehre eingebaut die bei Starkregen das Regenwasser in den Schmutzwasserkanal überlaufen lies und somit ein reibungsloser Kanalbetrieb möglich wurde. Nach heutigen Regularien ist das aber unzulässig, dafür gibt es jetzt Spülschächte mit Schwallspülung.

Das direkte Einleiten von Regenwasser erfordert aber das darin keinerlei Fäkalien aus Fehlanschlüssen vorhanden sind. Das wenige Regenwasser was Zella-Mehlis direkt einleitet ist aber mit Fäkalien belastet, was Jeder sehen kann, wenn er die hängengebliebenen Reste der Feuchttücher an den Gittern der Auslasspunkte sieht.

Nächstes Problem wie gesagt die Kanäle müssen gebaut und unterhalten werden. Die Standdauer wird mit rund 80 Jahren angesetzt wenn sie fachgerecht verlegt wurden. Daraus ergibt sich auch, dass in einem Trennsystem auf jeden Fall Kosten entstehen für die Regenwasserentsorgung, die aber wesentlich niedriger als die für Schmutzwasser sind. Dazu kommt, dass die Städte in der Fläche weiter wachsen und zunehmend die alten Rohrdurchmesser der Regenereignisse nich mehr vollständig ableiten können.

- Quadratur des Kreises -

Für die Kanalisation in ZM ist der ZWAS zuständig, ein Flächenverband, der einfach so vor sich hin wurstelt da er nur allgemeinkonkret zuständig ist und sich bisher Niemand drum schert was er da so tatsächlich treibt.

Das Ergebnis davon sind die höchsten Wasser und Abwassergebühren weit und breit. Und die Gebühren versickern wer weiß wo, aber nicht in einem Trennsystem in der Talstraße, der Hauptstraße, Kirchsstraße etc. Nein der Mißstand dass das Regenwasser weiter durch die Kläranlage muss wir baulich festgeschrieben auf ewig.

Während beim Schmutzwasser der Trinkwasserverbrauch die Basis der Gebühren ist, ist das beim Regenwasser nicht so einfach und schon gar nicht gerecht zu gestalten. Seit vielen Jahren hat sich daher in Deutschland das Model der überdachten und versiegelten Flächen mit Kanalanschluß bewährt. Wer seinen Regen auf dem eigenen Grundstück versickern kann muss nirgendwo etwas dafür bezahlen.

Aber was passiert eigentlich ?

An der Kostenursache (Regenwasser durch die Kläranlage) ändert sich gar nichts. Es werden nur neue Einnahmequellen erschlossen, da der Preis für Schmutzwasser der Schmerzgrenze bereits überschritten hat. Eine leichte Gebührensenkung wird dann ausgeglichen mit den Mehreinnahmen aus dem Regenwasser. Daher ist dies ein rein bürokratischer Akt ohne jeglichen praktischen Nutzen für die Umwelt und die Bürger, denn der ZWAS ist nicht in der Lage seine Gesamteinnahmen aus den Abwassergebühren freiwillig zu senken.

Die Einführung der gesplitteten Abwassergebühr ab 2019 ist daher grundsätzlich abzulehnen solange an der Gesamtsituation der Abwasserentsorgung kein Fortschritt nachweisbar ist.

Fazit: Zu sagen ich drücke meine Spülung und ziehe den Stöpsel ... was danach passiert geht mich nichts an, klappt nur solange das System auch funktioniert. Wer Überschwemmungen nach Gewittern hatte oder 14 Tage seine Toilette nicht benutzen konnte weiß wie wichtig solche "Selbstverständlichkeiten" sind. Auch wenn wir sie nicht sehen, sie wollen gebaut und unterhalten werden und stellt somit einen erheblichen Anteil der Zukunftsvorsorge für unsere Kommune dar. Hier muss dem ZWAS mal kräftig auf die Sprünge geholfen werden.

Für weitere Fragen zum Thema stehe ich gern bereit.

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